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| Geschrieben von Peer Zickgraf | |
| Montag, 1. November 2010 | |
Eine gute Tradition in Rheinland-Pfalz: der DemokratietagRheinland-Pfalz setzt in der Demokratiepädagogik bundesweit Maßstäbe. Davon zeugen die rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Schule, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, die sich am 23. September 2010 am Sebastian-Münster-Gymnasium in Ingelheim zum 5. Demokratietag trafen.
Hans Berkessel verantwortlicher Organisator erinnerte für die federführenden Verbände DeGeDe und DVPB daran, dass es vor allem ein Verdienst von Prof. Wolfgang Edelstein, des ehemaligen Direktors des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, sei, dass sich heute so viele Schulen in Deutschland dem Thema Demokratie zuwenden. Dieser habe als Nestor des ehemaligen BLK-Modellprojektes „Demokratie lernen & leben“ die Bewegung hin zu mehr Demokratie angestoßen.
Unterstützung für DemokratieerziehungWelche Bedeutung das Land dem Thema beimisst, zeige sich auch darin, dass die Stabsstelle bürgerschaftliches Engagement, die ihren Sitz in der Mainzer Staatskanzlei hat, das Projekt der Demokratietage von Anfang an unterstützte. Darüber hinaus erfahren die Demokratietage tatkräftige Unterstützung durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, durch die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ sowie durch viele andere Partner im Land, u.a. die Fachverbände der gemeinschaftskundlichen Fächer und die Institutionen der politischen Bildung. All dies ist für Hans Berkessel ein Beleg dafür, dass die Mischung aus staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen die Bildung und Erziehung zur Demokratie in Rheinland-Pfalz voranbringt. „Dies ist deutschlandweit einmalig.“ Die Schirmherrschaft und persönliche Anwesenheit von Kurt Beck unterstrich die Wertschätzung einer demokratischen Schulentwicklung. Die beste Übung in DemokratieDie demokratische Erziehung könne gar nicht früh genug beginnen, betont er. Der Klassenrat sei die Basiszelle der Demokratie in der Schule. Dort sind alle Kinder vollwertige Mitglieder, es gibt eine klare Rollenverteilung und umfassende Verantwortungsübernahme. Im Klassenrat werden die unterschiedlichen Interessen abgewogen und begründet. Die Entscheidungen, die dort getroffen würden, seien das Ergebnis eines offenen Kommunikationsprozesses, so Hermann Veith. Er meint: „Das demokratische Bewusstsein entsteht durch demokratisches Handeln.“ Mit anderen Worten: Die Demokratiepädagogik leistet einen entscheidenden Beitrag für das Gemeinwesen. Der Demokratietag sei auch deshalb so wichtig, weil er der Öffentlichkeit die harten Indikatoren demokratischer Strukturqualität vor Augen führe. Die Arbeit in den Foren des diesjährigen Demokratietages verdeutlichte dies. Einige Foren richteten sich gezielt an Schülerinnen und Schüler, andere hatten den Charakter einer Lehrerfortbildung. Neben so wichtigen Themen wie „Partnerschaft von Kommune & Schule bei der Kinder- und Menschenrechtserziehung“, „Schülerbeteiligung konkret“, „Gesellschaftliche Verantwortung in Beruf & Unternehmen“, „Mobbing und Gewalt an Schulen“, „Demokratiepädagogik und Schulentwicklung“ wurde auch das Forum „Prävention gegen Rechtsextremismus“ angeboten. Prävention gegen Rechts: ein bundesweites ModellprojektSie ist Ansprechpartner und Berater der Kommunen, die den verstärkten Bestrebungen der Rechtsextremen, sich kommunal zu verankern, „zielgenau entgegentreten“ will. „Die Präventionsagentur strebt eine bessere Koordination der Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und deren stärkere Konzentration auf kommunaler Ebene an. Besonderes Augenmerk gilt der Präventionsarbeit für Jugendliche“, beschreibt die Agentur ihre Ziele. Das Forum war gut besucht und bunt gemischt: Lehrkräfte und Museumspädagogen waren ebenso vertreten wie Schülerinnen und Schüler. Stark im Kommen: das Thema Inklusion
Inklusion ist ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie beinhaltet die Forderung, dass beeinträchtigte Kinder, dazu gehören auch Kinder mit Lernschwierigkeiten, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ohne Beeinträchtigungen unterrichtet werden. Ein anschauliches Beispiel für eine Schule, die sich auf dem Weg zur Inklusion befindet, ist die Diesterweg-Schule in Koblenz, ebenfalls Modellschule für Partizipation und Demokratie, die im Jahr 2004 Ganztagsschule in Angebotsform wurde. Die Schule ist Stammschule für integrierte Förderung von Klasse eins bis zehn. Rund 180 Schülerinnen und Schüler aus über 30 Nationen besuchen diese Schule.
Die ehemalige Schulleiterin der Schule und Referentin für Förderschulen bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Dr. Margit Theis-Scholz schilderte, wie die Umsetzung inklusiver Leitideen das Förderschulwesen in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Die individuelle Förderung erweist sich hier als zentrales Instrument, um Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen wieder an eine Regelschule heranzuführen. Förderliche Rahmenbedingungen für Inklusion
Hierbei muss eng mit den Eltern zusammengearbeitet werden. „In sorgfältig überlegten Schritten wird die Rückführung an die Regelschule durchgeführt“, erläuterte Margit Theis-Scholz. Dazu gehöre ein probeweiser Schulbesuch mit dem Ziel der Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs: „Wenn die Verfahrensschritte klar strukturiert sind, werden die Kinder eher von einer Regelschule übernommen“, so die Pädagogin. Da gegenwärtig schätzungsweise noch nicht einmal ein Prozent aller Schulen auf diese Weise vorgehen, müsse die Bildungspolitik die Rahmenbedingungen ändern, um das Ziel der Inklusion zu erreichen.
Demokratie ist ein gemeinsames Projekt
Die demokratiepädagogischen Bemühungen der 26 Modellschulen des Netzwerks für Partizipation und Demokratie, zumeist Ganztagsschulen in Angebotsform, wurden zum Ende der Tagung durch Gernot Stiwitz vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium mit einer Plakette ausgezeichnet. Dieser symbolische Schlussakt verdeutlichte, dass Demokratie an Schulen ein gemeinsames Projekt ist, das von vielen engagierten Demokraten getragen wird.
Peer Zickgraf
Die PowerPoint-Folien von Prof. Veith können Sie hier herunterladen. |
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