| Studientage "Rechtsextremismus im Alltag" |
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| Geschrieben von Hans Berkessel | |
| Samstag, 14. August 2010 | |
Mit dem Angebot einer neuen Informations- und Präventionsveranstaltung wendet sich ein breites Bündnis von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen an die Schüler/innen der weiter führenden allgemein bildenden und Berufsbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz. Nach der erfolgreichen und viel beachteten Auftaktveranstaltung im Landtag Rheinland-Pfalz am 18. September haben inzwischen sieben Veranstaltungen in Kooperation mit der Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung im Weiterbildungszentrum Ingelheim stattgefunden, bei denen jeweils zwischen 100 und 120 Schüler/innen eines Jahrgangs erreicht und über Erscheinungsformen und Gefahren des aktuellen Rechtsextremismus informiert wurden. Die umfangreiche mündliche und schriftliche Evaluation aller Veranstaltungen zeigt, dass das Studientagskonzept, das neben einer Filmvorführung und einem einführenden Vortrag auf die Mitarbeit der Jugendlichen in fünf verschiedenen Workshops setzt, bei den Schülerinnen und Schülern und den begleitenden Lehrkräften auf eine überzeugend positive Resonanz stößt. Erste Nachbereitungsgespräche mit Schulleitungen, Kollegium und SV der teilnehmenden Schulen haben gezeigt, dass hier Vereinbarungen über die weitere Arbeit an diesem Thema in einer großen Bandbreite von Aktivitäten möglich sind und damit die angestrebte Nachhaltigkeit der Veranstaltung gesichert werden kann.
Rechtsextremismus als gesellschaftliches und schulisches ProblemVergleicht man die Wahlergebnisse rechtsextremistischer und rechtspopulistischer Parteien bei Bundestags- und Landtagswahlen mit dem Anwachsen der Stimmenanteile rechtsextremistischer oder rechtspopulistischer Parteien anderer europäischer Länder, so könnte man den Eindruck gewinnen, der Rechtsextremismus sei in Deutschland kein Problem. Mitgliederzahlen und Wahlerfolge, die in einigen Landtagen und Kommunalparlamenten durchaus relevant sind, stellen aber nur ein Element des Rechtsextremismus dar. Von der Öffentlichkeit zunächst weitgehend unbeachtet sind Strukturen entstanden, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung dadurch in Frage stellen, dass rechtsextremistisches Gedankengut und entsprechende kulturelle Erscheinungsformen langsam die Alltagskultur durchdringen. Es ist die Rede von einer „strategischen Graswurzelrevolution, die die Zivilgesellschaft bedroht.“ (Bundeszentrale für politische Bildung).Mit diesem Problem haben auch die Schulen in vielfältigen Erscheinungsformen zu kämpfen: Schulhof-CDs, rechte Parolen, Fremdenfeindlichkeit und Mobbing, „alternative“ rechtslastige Freizeitangebote in sozialen Brennpunkten, sowie von der rechten Szene gebotene jugendspezifische Identifikationsangebote für Schülerinnen und Schüler, deren Schullaufbahn durch Misserfolge, fehlende Perspektiven und Scheitern gekennzeichnet ist. Manchmal werden solche Identifikationsmuster und auch das Verhalten beeinflussenden „Werte“ am entsprechenden „Outfit“ sichtbar und daran, dass rechtsextremistische Symbole getragen werden – letzteres entweder provokativ offen oder auch unscheinbarer auf Schulmappe und anderen Schulutensilien. Auch die Schule muss dringlich angemessene Strategien der Intervention und vor allem der Prävention entwickeln. Sie benötigt hierfür Unterstützung auch durch außerschulische Partnerinstitutionen. Damit sich Schulen aktiv und dauerhaft mit dem Thema Rechtsextremismus auseinandersetzen können, werden ergänzend zu den bisherigen Angeboten des Landes und der Kommunen, schülerbezogene Informations- und Präventionsmaßnahmen durchgeführt. In Verbindung mit Trägerinstitutionen der politischen Jugendbildung sollen Schüler/innen eines ganzen Jahrgangs (9./10. Klassen) über die Ziele, die Methoden und die damit verbundenen Gefahren rechtsextremistischer Organisationen und ihrer (Freizeit-)Angebote informiert und zugleich für demokratische Alternativen sensibilisiert werden. Die Studientage Rechtsextremismus im Alltag – Konzeption und ProgrammDie Studientage „Rechtsextremismus im Alltag“ versuchen einen Überblick zur aktuellen Situation zu geben, Gefahren bis hin zu zunehmender rechtsextrem motivierter Gewaltbereitschaft und Lösungsansätze aufzuzeigen. Nach einführenden Filmen und Vorträgen erhalten die Jugendlichen Gelegenheit sich mit den Themen „rechtsextreme Musik“, „Rechtsextremismus im Internet“, „Rechtsextremismus und Gewalt“ und „Menschenrechte statt Fremdenfeindlichkeit“ in Workshops und Arbeitsgruppen aktiv auseinander zu setzen.Im Anschluss an den Studientag werden mit den beteiligten Schulen (Leitung, Kollegium, Schülervertretung und Schulelternbeirat) weitere Maßnahmen vereinbart werden, um die Nachhaltigkeit der Informations- und Präventionsveranstaltung zu sichern. Die Studientage „Rechtsextremismus im Alltag“ erfreuen sich großer Beliebtheit: Seit September 2009 haben bereits sieben Schulen und über 700 Schülerinnen und Schülern das Präventionsangebot genutzt. Um der hohen Nachfrage, welche die Kapazitäten weit übersteigt, erfüllen zu können, wurden nun 10 Lehramts-Studierende ausgebildet. Nach mehreren Hospitationen und einem Intensiv-Workshop führen sie seit März in Zusammenarbeit mit erfahrenen Referenten die Studientage eigenständig durch. Die Nachfrage nach den Studientagen ist ungebrochen hoch. „Wir erhalten beständig neue Anfragen von Schulen. Mit dem Angebot der Studientage treffen wir anscheinend einen großen Bedarf der Schulen“, so Hans Berkessel, der die Studientage koordiniert. Kürzere Wartezeiten für die Schulen erhofft er sich von den 10 Studierenden, die nach Hospitationen auf mehreren Studientagen in einem Intensiv-Workshop dazu ausgebildet wurden, selbstständig Studientage „Rechtsextremismus im Alltag“ zu leiten. So können noch mehr Schulen das Angebot nutzen. Die Studientage „Rechtsextremismus im Alltag“ werden durchgeführt von der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik, der Deutschen Vereinigung für politische Bildung und der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz mit einem breiten Bündnis aus Zivilgesellschaft und staatlichen Einrichtungen, zu dem auch die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ zählt. Unter folgenden Kontaktdaten erhalten Sie mehr Informationen zu den Studientagen und können Ihre Schule zur Teilnahme anmelden: Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V. (DeGeDe) Deutsche Vereinigung für politische Bildung e.V. (DVPB) Landesverbände Rheinland-Pfalz c/o Hans Berkessel Johann-Hinrich-Wichern-Str. 3, 55218 Ingelheim am Rhein Telefon: (06132) 84970, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können www.degede.de |
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