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Stellungnahme der DVPB RLP zur geplanten Reform der MSS PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Bettina Anslinger-Weiss   
Samstag, 26. Juni 2010
Geplante Reform der gymnasialen Oberstufe in Rheinland-Pfalz durch das Ministerium für Bildung, Weiterbildung, Jugend und Kultur zum Schuljahr 2011/12

Stellungnahme der DVPB, Landesverband Rheinland-Pfalz


Die geplanten Änderungen der gymnasialen Oberstufe im Fach Sozialkunde sieht der Landesverband kritisch. Durch eine Mischfachkonstellation „GK Sozialkunde/Erdkunde“ in den Grundkursen Gemeinschaftskunde (ab 12/1 bis Jgst. 13), kombiniert mit der flexibleren Regelung der Einrichtung der Kurse „nach personeller Ausstattung“ der Schulen, droht aus Sicht des Landesverbands zukünftig eine Situation, in der Sozialkundeunterricht in hohem Maße von fachfremden Kolleginnen und Kollegen unterrichtet werden müsste. Aus dem Ermessensspielraum der Schulleitungen heraus sänke zudem das Bedürfnis, Fachkolleginnen und -kollegen mit der Lehrbefähigung Sozialkunde anzufordern, die das zweite Staatsexamen erworben haben.

Der Vorstand des Landesverbands RLP ist der Meinung, dass die wichtige Aufgabe der Politischen Bildung in der Schule in erster Linie durch Sozialkundelehrerinnen und Sozialkundelehrer getragen werden muss. Der in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft häufig beklagten unzureichenden politisch-ökonomischen Bildung vieler Abiturientinnen und Abiturienten kann nur durch einen zeitgemäßen, problem- wie auch handlungsorientierten Sozialkundeunterricht begegnet werden, der von fachlich qualifizierten Sozialkundelehrerinnen und -lehrern gestaltet wird. Solide politisch-ökonomische Bildung in der Sekundarstufe II darf sich nicht auf die verhältnismäßig kleine Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Leistungskursen im Fach Sozialkunde beschränken. Wird die Übernahme von Politikunterricht in der Sekundarstufe II durch fachfremde Kolleginnen und Kollegen zur Regel, verschließt man - aus Sicht des Landesverbands – dem qualifizierten Lehrernachwuchs im Fach Sozialkunde an den Universitäten und Studienseminaren die berufliche Perspektive als Unterrichtende an den Schulen.

Der DVPB Landesverband Rheinland-Pfalz fordert seit Jahren eine Ausweitung des Politikunterrichts. Vergleicht man die Stundentafeln der gemeinschaftskundlichen Fächer, so fällt ein Ungleichgewicht deutlich ins Auge. Das Fach Sozialkunde ist beispielsweise in der Stundentafel für Gymnasien der Sekundarstufe I nur mit 3 (!) Stunden vertreten: 2-stündig in Klasse 9 und 1-stündig in Klasse 10. Dies steht in deutlichem Gegensatz zu den Stundentafeln für Erdkunde und Geschichte, die von Klasse 5-10 mit 9 Stunden (Erdkunde) bzw. 7 Stunden (Geschichte) vertreten sind. Durch strukturellen Unterrichtsaufall und die grundsätzlich höheren Ausfallrisiken bei 1-stündigen Fächern befürchtet der Landesverband - sollte die Reform unverändert realisiert werden - zunehmend Schülerbiografien, in denen Schülerinnen und Schüler in ihrer gesamten Schulzeit fast keinen vollwertigen durchgängigen Politikunterricht erhielten.

Der DVPB-Landesvorstand RLP appelliert an die Verantwortlichen, organisatorischen Argumenten - beispielsweise von Seiten der Schulleitungen - nicht den Vorrang zu geben vor einer soliden politisch-ökonomischen Bildung in der Sekundarstufe II. Sozialkunde als Zentrierfach für politisch-ökonomische Bildungsinhalte darf durch die Reform nicht noch weiter beschnitten werden. In diesem Sinne plädiert der DVPB-Landesvorstand RLP auch für eine Beibehaltung der gemeinschaftskundlichen Fächer im Abiturprüfungsprofil.

Der Landesverband Rheinland-Pfalz hat sich bereits an Frau Ministerin Ahnen gewandt und hofft auf eine positive Entwicklung in dieser Sache.

Bettina Anslinger-Weiss
DVPB, Landesverband Rheinland-Pfalz, Vorsitzende des Vorstands

 
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